Der Auftakt der Zampano Sommer Tour fand letztes Wochenende in Wien statt. Mein erstes Mal in Wien und daher war es auch eine ziemlich spannende Reise. Wie ich es von meiner Reise vor ein paar Monaten von Angouleme gewöhnt bin, verlief auch dieses Mal nicht alles reibungslos. Ich muss ich an diesem Punkt ernsthaft fragen ob das alles nur Zufall ist, oder ob das etwas mit mir zu tun hat. An diesem Punkt muss ich euch anraten wohl eher keine Zugfahrten mit mir zu unternehmen.

Alles verlief gut auf der schweizer Seite (auch kein Wunder), aber zwanzig Minuten in den österreichischen Teil der Reise der ersten Rückfall. Die Lokomotive wollte nicht mehr und es musste etwas repariert werden (gemäss der Durchsage) und schon waren wir über zwanzig Minuten zu spät. Was für uns auch nicht weiter schlimm gewsesen wäre, hätte uns nicht der Pressemann der Börse Richard am Westbahnhof abholen sollen und uns zu einem ersten schon arragierten Interviewtermin bringen sollen. In der Hälfte der Reise kam plötzlich die Nachricht, dass sofort ein Doktor im Speisewagen gebraucht werde, gefolgt vom Aufruf, dass sich das Reinigungsteam sofort zum Speisewagen begeben soll. Es ist der eigenen Fantasie überlassen, was da wohl vorgefallen ist (Tip: Schaut nochmals das Ende von Monty Python: The Meaning of Life). Inzwischen hatte der Zug nun eine gute halbe Stunde Verpätung. Mary und ich sassen nun alleine ganz hinten im letzten Wagen, als plötzlich in Linz vier dunkle (und ich meine nicht die Hautfarbe) Gestalten zustiegen und sich prompt ins Abteil neben uns setzten. Mir wurde sofort klar, dass Ärger in der Luft lag. Der Sprache nach aus aus Osteuropa, wohl Rumänien. Eine rabiate und korpulente Kontrolleurin verlangte ihre Fahrschein, die sie, oh grosses Wunder, natürlich nicht hatten. Sofort begannen die Vier die Schaffnerin anzumachen, die sofort Verstärkung anforderte und versuchte die vier Schwarzfahrer in die Kabine des letzten Wagens einzuschliessen. Die wollten da allerdings nicht rein und die Situation schien zu eskalieren. Als die Bahn dann in die nächste Station einfuhr, stürmten fünzehn grossgewaschsene, österreichische Polizisten und Security den Wagen und verhafteten die Übeltäter und führten sie in Handschellen aus dem Wagen. Endlich konnten Mary und ich aus dem Versteck unter dem Sitz hervorkommen und wir wechselten zu einem anderen Abteil mit mehr Fahrgästen. Die letzte Stunde verlief dann ereignislos und wir kamen mit 35 Minuten Verspätung in Wien ab. Der treue Richard hatte tatsächlich auf uns gewartet und wir gingen zum Interviewtermin mit dem netten ORF 4 Reporter Artur (ich hoffe, ich schreibe seinen Namen richtig). Danach ab ins Hotel und die Heia um am Sonntag für die Börse fit zu sein.

Am Sonntag standen wir früh auf und schleppten unsere vom Hotelbett geräderten Körper in die U-Bahn zum Börsenlokal. Das Lokal war glücklicherweise einfach zu finden und im Vergleich zu anderen Börsen sehr angenehm. Dort angekommen, wurden wir vom übernetten Organisator Martin begrüsst und zu unserem Tisch in hinteren Teil der Halle geführt. Kaum angekommen, warteten schon die ersten Fans auf eine Zeichnung. Also schnell aufbauen und dann ab die Post. Dank der exzellenten Pressearbeit, die Martin und Richard geleistet hatten, kamen viele Leute, die uns nur aus der Presse kannten und kauften Bücher, Drucke und Zeichungen.

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Am frühen Nachmittag dann eine kurze Mittagspause im Cafe des Börsenzentrums. Eine Speisekarte voll von Dingen, von denen ich noch nie gehört hatte. Ich bestellte einen Frankfurter, der eigentlich ein Wiener war…nur nicht in Wien. In der Cafeteria trafen wir dann auf Gerhard Förster (Sprechblasen Herausgeber), der noch ein Interview mit mir für eine kommende Ausgabe machen wollte. So begannen wir, wurden aber bald an den Stand zurückgepfiffen, um die hungrige Meute mit Zeichnungen zu versorgen. Wir setzten das Interview am Tisch fort und ich drückte dem Gerhard noch ein Bakuba in die Hand. Eine Rezi soll in der nächsten Sprechblase folgen. Danach ging es weiter mit Kirstin vom OE1 auf dem ORF Kinderkanal, die ein Interview für Kinder mit dem fiktiven Hund Rudi aufzeichnen wollte. Ich zeichnete ihr noch einen Spider-Rudi und dann war die Börse auch schon vorbei. Ich hatte keine Zeit mich umzusehen oder sogar Fotos zu machen. Alle Fotos bis auf das erste kommen vom superfreundlichen Comic Dealer Alexis Lamprou. Mehr Eindrücke mit Bilder der Börse kann man auch noch hier und hier sehen.

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Offenbar war die Börse mit über 1800 Besucher ein voller Erfolg. Man muss allerdings sagen, dass Wien ein ganz hartes Comicpflaster ist. Die Akzeptanzt schein sich auf die populären Titel zu beschränken und die Independents werden hauptsächlich von Insidern oder Intellektuellen unterstützt. Dagegen ist sogar die Schweiz fast eine Hochburg von Verlagsaktivität und kreativem Ausschuss. Trotzdem, die Comicfreunde sind alle überdurchschnittlich nett und die Börse war mit viel Eifer und überaus professionell organisiert. Aus meiner Sicht hat wirklich alles geklappt. Für nächstes Jahr könnte eine interessante Austellung, Präsentation auf dem Nextcomic Festival mit dem Ars Electronica auf dem Programm stehen.

Am Montag war dann unser Freitag und wir spielten Touristen, wurden vom unfreundlichen Personal im Kaffeeshop angeschnautzt und assen Junkfood bis zum Abwinken (warum? Weil es in diesem Teil der Schweiz nur gesundes Essen gibt). Die Heimreise verlief abgesehen von der üblichen Verspätung, diesmal wegen einer Baustelle, die uns fast unseren Anschlusszug gekostet hätte, ruhig und wir kamen müde, aber glücklich zuhause an.

Ich möchte mich nochmals bei allen freundlichen Wiener Comiclesern, den Organisatoren und neuen Bekanntschaften für ein nettes Wochenende bedanken und wir freuen uns schon bald wieder mal in Österreich den Zeichstift zu schwingen.